
Riva 96' Argo Super macht das Flybridge-Heck zum Wohnraum
Der Riva 96' Argo Super wurde am 20. Juli 2026 in La Spezia zu Wasser gelassen, und die entscheidende Nachricht ist nicht nur der Schritt ueber den 90' Argo hinaus. Diese 28,79 Meter lange Flybridge-Yacht zeigt, wo im Premiumsegment unter 30 Metern heute der Druck entsteht: am Heck, bei den Services auf dem Hauptdeck und bei einer Eignersuite, die sich nicht vom Meer abkoppeln darf.
Ferretti Group bestaetigt, dass der erste Rumpf aus der Zusammenarbeit von Officina Italiana Design, Strategic Product Committee und Engineering Department des Konzerns stammt. Das offizielle Debuet ist fuer das Cannes Yachting Festival 2026 vorgesehen. Der Stapellauf im Juli ist damit der Auftakt vor der oeffentlichen Pruefung durch Kaeufer und Marktbeobachter. Wer die Marke breiter einordnen will, findet auf derRiva-Seite bei Batooden passenden Einstieg in Werft, Angebote und Umfeld.
Das Heck traegt die neue Produktlogik
Die greifbarste Aenderung liegt achtern. Riva beschreibt eine neu gestaltete Garagentuer mit integrierter Sonnenliege, Handlauf und Becherhaltern; geoeffnet gibt sie den Zugang zum Williams 435 Tender und zum Jetski frei. Daneben nutzt die Badeplattform einen Liftmechanismus, der den Einstieg ins Wasser einfacher und sicherer machen soll.
Das klingt nach Lifestyle, ist aber der Kern des Konzepts. Bei einer 29-Meter-Flybridge entscheidet das Heck darueber, wie entspannt sich die Yacht vor Anker anfuehlt. Wenn der Tender ohne umstaendliche Ablaufe bereitsteht, die Badeplattform Vertrauen schafft und die Sonnenliege die Wege nicht blockiert, gewinnt die Yacht im realen Wochenendbetrieb deutlich.
Auch das Cockpit folgt dieser Linie. Ferretti Group nennt zusaetzliche Staufaecher, einen eingebauten Kuehlschrank und verstellbare Rueckenlehnen fuer die zwei grossen Laengssofas am Esstisch. Auf der Flybridge kommen ein neues Bar-Modul und Tische mit Mahagoniplatten hinzu. Das sind keine lauten Gesten, sondern Verbesserungen dort, wo Gaeste und Crew die meiste Zeit verlieren oder gewinnen.
Der Day Head veraendert das Unterdeck
Die wohl kluegste Entscheidung ist der Day Head auf dem Hauptdeck. Er wirkt weniger spektakulaer als eine neue Badeplattform, veraendert aber die Raumbilanz. Ein haeufig genutzter Service sitzt dort, wo er im Tagesbetrieb gebraucht wird; darunter entsteht mehr Volumen fuer den Schlafbereich.
In der Standardkonfiguration bietet das Unterdeck drei grosszuegige Gaestekabinen, darunter eine VIP-Kabine achtern ueber die volle Breite. Sie nutzt den gewonnenen Raum, um in Komfort und Groesse nahe an eine zweite Master heranzuruecken. Optional gibt es drei VIP-Kabinen plus eine Zweibett-Gaestekabine. Damit spricht derselbe Rumpf zwei Nutzungsprofile an: weniger Gaeste mit mehr Raum oder mehr Flexibilitaet fuer Familie, Freunde und wechselnde Gruppen.
Kaeufer italienischer Flybridges vergleichen solche Fragen oft mit benachbarten Marken wieFerretti Yachts, weil Salon, Kabinen und Verkehrswege genauso zaehlen wie Image. Der 96' Argo Super antwortet pragmatisch: Der taegliche Service kommt nach oben, das freigewordene Volumen wird dort eingesetzt, wo Gaeste den Wert unmittelbar spueren.
Die Master Suite verkauft Licht, nicht nur Flaeche
Die offiziellen Daten lauten 28,79 Meter Laenge ueber alles und 6,50 Meter maximale Breite. Riva betont jedoch vor allem die Eignersuite ueber die volle Breite, grosse Glasflaechen und eine Moeblierung, die natuerliches Licht und Blick aufs Wasser sogar vom Bett aus staerken soll.
Das passt zur heutigen Erwartung. Eine Master auf diesem Niveau darf nicht nur gross sein. Sie muss vermeiden, sich wie ein abgeschlossener Raum tief im Rumpf anzufuehlen. Licht, Sichtachsen und visuelle Naehe zum Wasser sind Komfortmerkmale geworden, nicht bloss Designvokabular.
Im Interieur kombiniert Riva poliertes Wenge, helles mattes Eichenholz, Spiegelflaechen und polierte Stahldetails. Batoos Lesart: Die Werft will den sportlich-formalen Charakter der Argo-Linie halten, die Raeume aber heller und weniger schwer wirken lassen. Fuer eine Traditionsmarke ist das ein enger Korridor. Zu viel Bruch schwaecht die Wiedererkennbarkeit, zu wenig Wandel macht das neue Modell zur Kosmetik.
Assistenzsysteme zaehlen beim Manovrieren
Der erste 96' Argo Super ist mit zwei MTU 12V 2000 M96X Motoren ausgeruestet, jeweils mit 2.000 HP. Ferretti Group nennt ausserdem Seakeeper NG18 und NG10 Kreiselstabilisatoren, das Kollisionsvermeidungssystem Watchit, Xentas X-AID Manoevrierhilfe mit Virtual Anchor und einen Heckstrahler.
Diese Ausstattung sollte als Paket gelesen werden. Sie macht eine Yacht knapp unter 30 Metern nicht trivial, und das behauptet die Quelle auch nicht. Sie adressiert aber genau die Momente, die Vertrauen schaffen oder Stress erzeugen: Position halten, enge Liegeplaetze anlaufen, Rollen vor Anker reduzieren und Gaesten eine ruhigere Plattform bieten.
Gegenueber sportlicher ausgerichteten Alternativen, etwa aus dem Umfeld vonPershing, spricht der Riva eine andere Sprache: weniger Show, mehr kontrollierte Bewegung und kontinuierlicher Komfort. Im Vergleich mit mediterranen Flybridge-Werften wieAzimutwird die Diskussion eher um Aussenflaechen, Wasserzugang und die formelle oder entspannte Wirkung des Interieurs kreisen.
Cannes wird die Details sichtbar machen
Die Ausstellerseite des Cannes Yachting Festival fuehrt den Riva 96' Argo Super unter den Booten von Ferretti Spa; die Messe ist fuer den 8. bis 13. September 2026 in Cannes angesetzt. Das ist relevant, weil dort aus Ankuendigungen pruefbare Details werden: Stufen, Sichtlinien, Stauraum, Wege zwischen Cockpit und Salon, Schutz und Nutzbarkeit der Aussenbereiche.
Bis dahin bleiben einige Fragen offen. Fuehlt sich der Weg von der Badeplattform in den Salon wirklich so fluessig an, wie das Konzept verspricht? Erleichtert die Liftplattform Baden und Tenderbetrieb im Alltag deutlich? Erreicht die Heck-VIP im Gebrauch fast Master-Niveau, oder ist sie vor allem eine sehr starke Gaestekabine?
Die bestaetigten Fakten reichen dennoch, um die Richtung zu erkennen. Der 96' Argo Super will Riva nicht neu erfinden. Er macht eine bekannte Formel wohnlicher, indem er Wert in Wasserzugang, Hauptdeck-Praktikabilitaet und eine hellere Eignersuite verschiebt. Fuer eine Marke mit so fester visueller Identitaet ist genau das der anspruchsvolle Fortschritt: spuerbar besser nutzbar werden, ohne den Riva-Charakter zu verwischen.
Quellen und Verweise
Um Zuverlässigkeit und Kontext zu stärken, zitiert dieser Artikel relevante externe Quellen zum Thema.
- New Riva 96' Argo Super: stylistic elegance in dialogue with the sea
Ferretti Group · 2026-07-20
- Riva 96' Argo Super
Cannes Yachting Festival · 2026-07-20


