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Magnetkompass prüfen und Ablenkungstabelle pflegen

Eine klare Methode, um Missweisung und Ablenkung zu trennen, den Steuerkompass auf mehreren Kursen zu prüfen und den richtigen Zeitpunkt für eine neue Tabelle oder Justierung zu erkennen.

Redazione Batoo6 Min. Lesezeit
Schiffsmagnetkompass in einem Schifffahrtsmuseum
Foto: Roy Smith / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Kurz gesagt

Eine Ablenkungstabelle hält den Restfehler des Magnetkompasses eines bestimmten Boots für verschiedene Kurse fest. Für die Kontrolle braucht man eine verlässliche unabhängige magnetische Referenz, ruhige Bedingungen, Messungen über den gesamten Kreis und eine reproduzierbare elektrische Konfiguration. Ändern sich die Fehler deutlich, zeigt der Kompass Mängel oder wurde Technik in seiner Nähe umgebaut, gehört die Justierung in fachkundige Hände.

Artikelübersicht

Der Magnetkompass bleibt wertvoll, weil er seinen Kurs ohne das elektrische Hauptnetz des Boots anzeigt. Autonomie bedeutet jedoch nicht Fehlerfreiheit: Ein Anteil entsteht durch das Magnetfeld der Erde, ein weiterer durch das Fahrzeug und seine Ausrüstung. Eine brauchbare Ablenkungstabelle beruht deshalb auf kontrollierten Messungen über mehrere Kurse und nicht auf einem flüchtigen Vergleich am Liegeplatz.

Missweisung und Ablenkung sauber trennen

Die magnetische Missweisung, auch Deklination genannt, ist der Winkel zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord. Nach Angaben der NOAA verändert sie sich mit Ort und Zeit. Für die Umrechnung einer magnetischen Richtung in eine wahre Richtung muss daher ein Wert verwendet werden, der zum Revier und zur Epoche der Prüfung passt und aus geeigneten aktuellen Navigationsangaben oder einem anerkannten Erdmagnetfeldmodell stammt.

Die Ablenkung entsteht dagegen am Boot. Magnetisierte Teile, Metallstrukturen und elektromagnetische Felder elektrischer Gleichstromkreise beeinflussen den eingebauten Kompass. Weil diese Einflüsse beim Drehen des Boots in wechselnder Richtung auf das Erdmagnetfeld treffen, hängt der Fehler vom anliegenden Kurs ab; er ist weder mit der Missweisung der Seekarte identisch noch für alle Kompasse an Bord gleich.

Die Rechenkette sollte ausgeschrieben werden: wahr, Missweisung, magnetisch, Ablenkung, Kompass. Zu jedem Korrekturwert gehört Ost oder West, und auf dem gesamten Arbeitsblatt muss dieselbe Vorzeichenregel gelten. Merksprüche können Rechenfehler begrenzen, aber weder einen veralteten Ausgangswert noch eine ungenaue Beobachtung heilen.

Prüfzustand des Boots eindeutig festlegen

Vor der Fahrt wird das Instrument selbst angesehen. Die Rose muss sich frei bewegen und beruhigen, der Steuerstrich muss zur vorgesehenen Längsachse passen, und Gehäuse sowie Befestigung dürfen keinen zweifelhaften Zustand zeigen. Eine bleibende Blase, eine träge Rose, ein lockerer Einbau oder eine beschädigte Kuppel gehören untersucht und nicht mit einem größeren Tabellenwert überdeckt.

Danach wird die Betriebskonfiguration festgehalten. Auf einem Batoo-Protokoll stünden Motorzustand und Drehzahl, Ladegeräte, Batterieschalter, Autopilot, Radar, Scheibenwischer, Lüfter, Audiogeräte, Handfunkgeräte, Tablets und vorübergehend abgelegte Stahlteile. Die britische Maritime and Coastguard Agency warnt ausdrücklich davor, dass tragbare Elektrogeräte und Gegenstände aus Stahl den Magnetkompass beeinflussen können.

Die Vergleichsrichtung muss unabhängig sein und eine bekannte Unsicherheit besitzen. Eine in der Karte eindeutig bestimmte Deckpeilung zweier Landmarken liefert auf ihrer Linie eine wahre Richtung; nach Berücksichtigung der örtlichen Missweisung entsteht daraus die magnetische Referenz. Fachleute können andere etablierte Verfahren nutzen. Der GNSS-Kurs über Grund ist nicht automatisch der Steuerkurs: NOAA zeigt, dass ein seitlich setzender Strom Grundkurs und gesteuerten Kurs trennen kann.

Für die Messfahrt braucht es freien Raum, gute Sicht, wenig Verkehr und Bedingungen, in denen ein Kurs stabil gehalten werden kann. Schiebt eine Böe den Bug ständig weg oder läuft die Kompassrose der Bewegung hinterher, beschreibt die Streuung vor allem die mangelhafte Prüfung. Getrennte Rollen für Rudergänger und Beobachter verringern außerdem die Gefahr, unbewusst auf den erwarteten Wert zuzusteuern.

Restfehler über den Vollkreis erfassen

Eine einzelne Richtung reicht bei einem kursabhängigen Fehler nicht aus. Das Grundverfahren führt das Boot auf mehrere über 360 Grad verteilte Kurse, vergleicht jeweils die Kompassanzeige mit der unabhängigen magnetischen Richtung und notiert die Differenz samt Ost- oder Westzeichen. Bowditch bezeichnet den nach einer Kompensation verbleibenden Wert als Restablenkung und ordnet ihn verschiedenen Kursen in einer Tabelle zu.

Für eine erste Diagnose durch den Eigner empfiehlt die Batoo-Methode die vier Haupt- und vier Zwischenrichtungen, ohne diese Auswahl als professionellen Justierstandard auszugeben. Jede Richtung muss lange genug anliegen, damit eine ruhige Anzeige abgelesen werden kann; widersprüchliche Wiederholungen werden erneut gefahren. Uhrzeit, Position, Seegang und Schaltzustand machen die Ergebnisse später vergleichbar.

Berechnet wird die Differenz zwischen magnetischer Referenz und Kompassanzeige nach der an Bord festgelegten Konvention. Anschließend sollte eine Rückrechnung prüfen, ob das Vorzeichen stimmt. Wird Ost mit West verwechselt, bleibt die Abweichung nicht nur bestehen, sondern kann sich durch die falsche Korrektur verdoppeln.

Aus unruhigen Punkten darf keine scheinbar präzise Kurve gezeichnet werden. Sinnvoller ist es, die tatsächlich geprüften Kurse und Messwerte sichtbar zu lassen und nur bei einem stabilen Verlauf vorsichtig dazwischen zu interpolieren. Ein neuer Sprung, eine auffällige Asymmetrie oder fehlende Wiederholbarkeit sind Hinweise zur Fehlersuche, keine Schönheitsfehler der Grafik.

Eine im Fahrbetrieb verständliche Tabelle erstellen

Auf dem Blatt muss der zugehörige Kompass eindeutig benannt sein. Das nautische Glossar der NOAA hält für jeden Kompass eine eigene Ablenkungstabelle fest; Werte des Steuerkompasses dürfen deshalb nicht ungeprüft für einen Peilkompass oder einen magnetischen Geber verwendet werden. Zusätzlich gehören Datum, Gebiet, Methode, Betriebszustand sowie der Restwert mit Ost- oder Westkennzeichnung hinein.

Die Tabelle wird so angebracht, dass sie vom Steuerstand aus nutzbar ist. Ihr Aufbau sollte beide Richtungen der Umrechnung unterstützen: vom wahren geplanten Kurs zum Kompasskurs und von einer Kompassbeobachtung zurück zur wahren Richtung. Als unabhängige Kontrolle elektronischer Anzeigen taugt der Magnetkompass nur, wenn sein eigener Restfehler bekannt und seine Umgebung unverändert ist.

Das Blatt ist eine datierte Bestandsaufnahme und kein unbegrenzt gültiges Zertifikat. Für den von ihr geregelten Bereich fordert die MCA einen korrekt justierten vorgeschriebenen Kompass und eine verfügbare Restabweichungstabelle. Als Anlässe für eine Justierung nennt sie unter anderem Neueinbau, Unzuverlässigkeit, strukturelle Arbeiten, Veränderungen elektrischer oder magnetischer Geräte in der Nähe, übermäßige Abweichungen und körperliche Defekte. Auf einem privaten Sportboot in einem anderen Rechtsrahmen sind das sinnvolle technische Auslöser, aber keine pauschal übertragene Rechtsvorschrift.

Bei der Justierung die fachliche Grenze ziehen

Ein Eigner kann Abweichungen erkennen, dokumentieren und eine offensichtlich störende mobile Quelle entfernen. Eingriffe an Korrekturmagneten, Weicheisenkugeln oder anderen Kompensationsmitteln erfordern dagegen einen Gesamtblick: Eine Verbesserung auf einem Kurs kann einen anderen verschlechtern. Korrektoren werden daher nicht wegen eines einzelnen Messpunkts verstellt.

Ein qualifizierter Kompasskompensierer ist gefragt, wenn ein Instrument neu eingebaut wurde, Fehler groß oder unregelmäßig werden, Messungen nicht wiederholbar sind, ein körperlicher Mangel sichtbar ist oder Umbauten das magnetische Umfeld verändert haben. Fachhilfe ist auch dann der sichere Weg, wenn keine hinreichend genaue unabhängige Referenz zur Verfügung steht. Welche Befähigung rechtlich verlangt wird, hängt von Flagge, Fahrzeug und Einsatzart ab.

Nach einer Justierung bleibt die neue unterschriebene Tabelle an Bord; die alte wird zusammen mit den Angaben zum Umbau archiviert. Kurze spätere Kontrollen unter vergleichbaren Bedingungen können so eine Entwicklung zeigen, bevor sie betrieblich bedeutsam wird. Vertrauen entsteht nicht durch die analoge Anmutung des Instruments, sondern durch ein nachvollziehbares Verfahren, offen benannte Unsicherheit und eine klare Grenze für die Eskalation.

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Quellen und Verweise

Konsultierte Quellen und erhaltene Verweise zur Prüfung von Daten und Kontext.

  1. MGN 610 (M+F) Amendment 1: SOLAS Chapter V guidanceUK Maritime and Coastguard Agency
  2. Magnetic DeclinationNOAA National Centers for Environmental Information
  3. The American Practical Navigator, Volume II, Chapter 5United States Coast Guard / National Geospatial-Intelligence Agency
  4. NOAA Tides & Currents glossary: deviation of compassNOAA Center for Operational Oceanographic Products and Services
  5. Ready, Set, Drift: Ocean Currents and NavigationNOAA Ocean Service